Aufbrechen, Arbeiten, Ankommen

Das im Mai 2015 erschienene Jahrbuch für Geschichte des ländlichen Raumes thematisiert Mobilität und Migration m ländlichen Raum seit 1945.

Ländliche Räume gelten oft ausschließlich als Auswanderungsregionen, von denen aus Teile der ansässigen Bevölkerung auf direktem Weg in die städtischen Zentren wandern. Die historische Migrationsforschung hat gezeigt, dass solche vereinfachten Bilder kaum der komplexen Realität entsprechen.  Neben der Wanderung vom Land in die Stadt gab es auch den umgekehrten Weg von der Stadt aufs Land sowie dauerhafte oder befristete Migration von einer ländlichen Region in eine andere. Die Motive der migrierenden Menschen waren vielfältig, von der Vermeidung von Nachteilen vor Ort bis hin zur Wahrnehmung von Chancen andernorts. Der Band versammelt Beiträge aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zu Aspekten ländlicher Mobilität und Migration: Displaced Persons nach dem Zweiten Weltkrieg, österreichische Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter im Ausland, nach Österreich angeworbene Arbeitskräfte aus Jugoslawien und der Türkei, Wohnsitzverlegungen im Zuge von Existenz- und Familiengründung, die oft weiträumige Mobilität von EU-Bürgerinnen und -bürgern innerhalb der Schengen-Grenzen, die Wohnmigration im Umfeld urbaner Zentren. Die Beiträge machen einmal mehr deutlich, dass Migration kein ungewöhnliches, daher zu behebendes Gegenwartsproblem, sondern ein normales, historisch in verschiedenen Ausprägungen fassbares Phänomen darstellt.

Mag. Dr. Anne Unterwurzacher ist Soziologin und arbeitet am Zentrum für Migrationsforschung am Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten.

Mag. Dr. Rita Garstenauer ist Historikerin und arbeitet am Zentrum für Migrationsforschung am Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten.

Einleitung

Rita Garstenauer/Anne Unterwurzacher: Aufbrechen, Arbeiten, Ankommen. Mobilität und Migration im ländlichen Raum seit 1945

Aufsätze

Angelika Laumer: „Er hat alles gekonnt, wenn‘s sein hat müssen, er war ein fleißiger Mann.“ Wie Kinder von ZwangsarbeiterInnen im ländlichen Bayern NS-Zwangsarbeit und deren Konsequenzen erinnern

Uta Bretschneider: Zwangsmigration und Neubeheimatung. „Umsiedler“ als „Neubauern“ in der SBZ/DDR

Ute Sonnleitner/Anita Prettenthaler-Ziegerhofer/Karin M. Schmidlechner: Aufbruch als Chance. Steirische Arbeitsmigrationen in die Schweiz 1945–1955

Nina Kulovics: „Hast das erfahren halt, dass die dort wen aufnehmen und dass du dir ein Geld verdienen kannst, weil wir selber nichts gehabt haben.“ Die südburgenländische Arbeitsmigration in die Schweiz von 1950 bis 1970 in lebensgeschichtlichen Interviews

Gerhard Hetfleisch: Geschichte der Arbeitsmigration Tirols 1945–2013

Verena Sauermann/Veronika: Settele Migration sichtbar und erzählbar machen. Zeithistorische Migrationsforschung in einer Tiroler Kleinstadt

Vladimir Ivanović: Der Traum von der Melange. Ein Beitrag zur Geschichte der Rückkehr der jugoslawischen ArbeitsmigrantInnen

Ingrid Machold/Thomas Dax: Schlüsselfaktor Zuwanderung. Migration in ländlichen Regionen Österreichs

Gudrun Kirchhoff/Claudia Bolte: Migration und Integration im ländlichen Raum. Besonderheiten und zukünftige Herausforderungen

Isabella Skrivanek/Lydia Rössl/Anna Faustmann: Die Erwerbsintegration von MigrantInnen in der ländlichen Steiermark im Kontext der Zuwanderungsgeschichte

Elisabeth Boesen/Gregor Schnuer/Christian Wille: Urbanität im ländlichen Raum. Wohnmigration in der deutsch-luxemburgischen Grenzregion

Forum

Clemens Zimmermann: Regionen, Netzwerke, Sinngebungen. Der Beitrag des Jahrbuchs für Geschichte des ländlichen Raumes zur ‚neuen‘ Agrargeschichte

Ulrich Schwarz: Ländliche Geschichte neu schreiben. Bericht über den internationalen Workshop anlässlich des zehnjährigen Erscheinens des Jahrbuchs für Geschichte des ländlichen Raumes (Wien, 13.11.2014)

 

http://www.ruralhistory.at/de/publikationen/migration-im-laendlichen-raum